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Wat soll dat Jedöns he?!

Der Persil-Hubschrauber am Flughafen Düsseldorf

Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, wahrscheinlich 1953 und 1954, führte die Düsseldorfer Firma Henkel eine Werbekampagne für ihr Waschmittel Persil aus der Luft durch.

Zum Einsatz kamen mehrere Hubschrauber, die zum Teil in den Persilfarben lackiert und mit dem Schriftzug "Persil bleibt Persil" versehen waren, und/oder an den Rumpfseiten große Schilder mit dem Schriftzug "Persil" trugen.

Unter dem Stichwort "Persil-Hubschrauber" findet man im Internet einige Bilder an verschiedenen Orten in Deutschland und Österreich dazu. Soweit auf den Bildern erkennbar, handelte es sich um die Hubschrauber G-AJHW und G-AJOR, beide mit Persil-Lackierung.

Das Bild zeigt einen Hubschrauber mit Persil-Werbung Persilhubschrauber auf dem Flughafen Düsseldorf. Bei dem Flugzeug im Hintergrund dürfte es sich um eine Miles M.57 Aerovan handeln.

Der Hubschrauber auf den hier gezeigten Bildern hat dagegen die Registrierung G-AJOV, mit Persil-Schild, aber ohne Persil-Lackierung. Ich konnte im Internet weder weitere Bilder dieses Hubschraubers mit Persil-Werbung noch Bilder von anderen Persil-Hubschraubern am Flughafen Düsseldorf finden.

Was sind das aber überhaupt für Hubschrauber?

Das führende G in der Kennzeichen aller drei Hubschrauber steht für Großbritannien. Für den Werbeauftrag wurden also britisch registrierte Hubschrauber eingesetzt, die extra für die Werbeflüge von der Insel herüberflogen.

Hersteller war die US-amerikanische Firma Sikorsky. Diese hatte gegen Ende des 2. Weltkriegs den zweisitzigen Militär-Hubschrauber R-5 für die US-Streitkräfte gebaut, der am 18. August 1943 unter der Bezeichnung XR-5 seinen Erstflug hatte.

Mit Ende des Krieges brach der Bedarf für die R-5 aber ein und und Sikorsky beschloß, auf der Basis der R-5 einen 4-sitzigen zivilen Hubschrauber (ein Pilot und drei Passagiere) zu entwickeln. Dieser hatte unter der Bezeichnung S-51 am 16. Februar 1946 seinen Erstflug.

Der kommerzielle Erfolg war allerdings nicht besonders groß. Sikorsky konnte zunächst nur wenige Exemplare des neuen Hubschraubers verkaufen. Erfolgsversprechender war dann der im Januar 1947 mit der britischen Firma Westland Aircraft abgeschlossene Lizenzvertrag. Westland durfte die S-51 in England selbst bauen und bekam die Vertriebsrechte weltweit außer Nordamerika.

An die Lizenzvereinabarung anschließend lieferte Sikorsky (je nach Quelle) 5 oder 6 Exemplare der S-51 als Produktionsmuster an Westland Aircraft. Der Erstflug des von Westland gebauten Prototypen der S-51 fand am 5. Oktober 1948 statt.

Die von Westland gebauten Hubschrauber hatten an Stelle des von Sikorsky in der S-51 eingesetzten Pratt & Whitney Wasp Junior R-985-B4 9-Zylinder Sternmotors mit 340kW/450 PS einen britischen Alvis Leonides 521/1 Sternmotor mit ebenfalls 9-Zylindern, aber etwas höherer Leistung. Der britische Motor drehte aber genau andersherum als der amerikanische Motor, so daß erhebliche Modifikationen im Antriebsstrang des Westland Hubschraubers erforderlich waren.

Das Bild zeigt einen Hubschrauber mit Persil-Werbung Sikorsky S-51 G-AJOV im Schwebeflug auf dem Flughafen Düsseldorf

Die von Westland Aircraft gebaute britische Variante der S-51 erhielt die Bezeichnung WS-51 "Dragonfly". Nur die WS-51 hat die Zusatzbezeichnung Dragonfly, nicht die originalen amerikanischen S-51.

Insgesamt baute Sikorsky von 1946 bis 1951 ungefähr 220 S-51 und Westland Aircraft von 1949 bis 1954 ca. 130 bis 150 WS-51 "Dragonfly". Die Stückzahlen schwanken je nach Quelle. Die meisten S-51 gingen - trotz eigentlich ziviler Variante - an die US-Army Air Force und die US-Navy und die meisten WS-51 an die britische Royal Air Force.

Mindestens drei der oben genannten, von Sikorsky an Westland als Produktionsmuster gelieferten originalen S-51, wurden schon nach kurzer Zeit an die "Helicopter Experimental Unit of the Research and Long Term Development Department" der 1946 neu aufgestellten British European Airways (BEA) verkauft.

BEA expandierte sehr schnell und ging 1974 zusammen mit der British Overseas Airways Corporation (BOAC) in den Britisch Airways auf, eine der weltgrößten Fluggesellschaften.

BEA verfügte insgesamt über vier S-51. Wahrscheinlich wurden Westland nicht nur drei, sondern vier originale S-51 abgekauft.

Im einzelnen waren dies (die Zeitangaben werden in anderen Quellen z.T. leicht abweichend angegeben):

G-AJHW, Werknummer 51-17, in Service BEA von August 1949 bis Juli 1953

G-AJOR, Werknummer 51-32, in Service BEA von August 1947 bis Juli 1953

G-AJOV, Werknummer 51-35, in Service BEA von Oktober 1947 bis Juni 1954

G-AKCU, Werknummer 51-28, in Service BEA von Oktober 1947 bis Mai 1949

G-AKCU

Die S-51 G-AKCU verunfallte am 24. Mai 1949 beim Transport von Zementsäcken als Außenlast zur Instandsetzung eine beschädigten Staudamms im Gebiet des heutigen Eryri-Nationalpark (mit dem früheren Namen Snowdonia-Nationalpark) im nördlichen Wales. Der Absturzort wird mit "Croesor Dam" angegeben. Croesor ist der Name eines winzigen Dorfs im Nationalpark am Eingang des nordwestlich davon liegenden Croesor Tals (Croesor valley, walisisch Cwn Croesor).

Wirklich außergewöhnlich ist, daß der Absturz auf Film festgehalten wurde und im Internet auf der historisch sehr interessanten Seite von British Pathé zu finden ist (Achtung: externe Links!):

WELSH AIRLIFT ENDS IN CRASH - British Pathé

Mit dem gleichen Titel und zum Teil überschneidenden Inhalt, aber ohne Ton:

WELSH AIRLIFT END IN CRASH - British Pathé

Nach einem Triebwerksausfall wird die Außenlast vom Piloten abgeworfen und der Hubschrauber stürzt aus relativ niedriger Höhe zu Boden. Zu sehen ist auch, wie der Pilot Dennis Bryan das Wrack des Hubschraubers unverletzt verlassen kann.

Der Unfallort ist an Hand des in den Filmaufnahmen gut erkennbaren kleinen Sees mit Staudamm über die einschlägigen Kartenseiten im Internet identifizierbar. Es sieht dort heute noch exakt genauso aus wie zum Zeitpunkt des Absturzes 1949.

Die Persil-Hubschrauber

Die drei anderen Hubschrauber wurden an Autair Ltd. in London verkauft, die damit Helicopter Charter in ganz Europa für die unterschiedlichsten Zwecke anboten, wie Überwachungsflüge, Frachttransport, Luftfotografie, Verkehrskontrolle, Werbung, Schädlingsbekämpfung.

Diese drei Hubschrauber kennen wir bereits als die Persil-Hubschrauber. Die Werbeflüge wurden also entweder von der BEA oder - wahrscheinlicher - von Autair durchgeführt.

Das Bild zeigt einen Hubschrauber mit Persil-Werbung G-AJOV im Schwebeflug auf dem Flughafen Düsseldorf

Bei BEA wurden die S-51 auch als "King Arthur Class" beeichnet und alle S-51 bekamen entsprechende Namen. G-AJOV hieß "Sir Lamorak" (Sir Lamorak ist ein Ritter der Tafelrunde in der Artussage), G-AJOR "Sir Owen" und G-AJHW "Sir Baudwin".

Wer in einem britischen Museum einer vermeintlichen S-51 mit BEA-Lackierung und Kennzeichen G-AJOV begegnet, sieht nicht die originale G-AJOV, sondern eine für Ausstellungszwecke umlackierte WS-51 Dragonfly der Royal Air Force.


Das Bild zeigt einen Hubschrauber mit Persil-Werbung G-AJOV im Abflug auf dem Flughafen Düsseldorf

Alle Fotos: Sammlung des Autors

Unter den zahlreichen Quellen dieser umfangreichen Recherche seien hier folgende ausdrücklich erwähnt:

Die Kennzeichen, Werknummern und Betriebszeiten der vier S-51 Hubschrauber entstammen dem Buch "The History of British European Airways 1946 - 1976 " von Charles Woodley.

Die Entwicklungsgeschichte der Sikorsky S-51 orientiert sich am Bericht "Vertical Rewind Sikorsky S-51" von Bob Petite im Vertical Magazin, Ausgabe April/Mai 2012.

Alle Details zum Flugunfall der G-AKCU sind den Filmaufnahmen von 1949 entnommen.

Ergänzungen, Korrekturen oder Kommentare sind ausdrücklich wilkommen und nehme ich gerne per email oder Mastodon entgegen.


Fotos: Sammlung des Autors

Luftfahrt, Düsseldorf

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